20 - 10 - 2010   und nun schon   20 - 10 - 2021

Lieber Vater!

 

Es fällt mir sehr schwer, das nun Folgende -wie versprochen- zu schreiben.

Genau heute morgen um 6.50 Uhr -vor 11 Jahren- hast Du Deinem Leben selbst ein Ende bereitet. Glaub mir, so viele Jahre schweigen zu müssen, war sehr viel verlangt von Dir.

Du warst all die Jahre - von dem Niemand etwas wußte - so oft bei mir. Hast mit mir über ALLES gesprochen, ob privat oder betrieblich oder geschäftlich. Und beide schwiegen wir darüber wie ein Grab. So manche Entscheidung konnten wir aus den Kartenlegungen entnehmen.

Oftmals habe ich Dir gesagt, Du bist zu vertrauensselig, zu gutmütig. Mutter nannte das oft sogar liederlich. Was Du nicht für möglich hieltest, konnte es einfach auch nicht geben.

Und so gab es Menschen in Deinem nahen Umfeld, wo Du besser den Karten hättest vertrauen sollen. Denn Jene waren es letztendlich, die Dich über eine Institution hinweg, in den Untergang führten.

Ich werde NIE vergessen, wie Du von dieser Institution kamst, völlig zusammengebrochen und in der Schilderung des gerade erlebten in bitterlichste Tränen ausgebrochen bist. Ich war einfach fassungslos! Ich machte Dir einen Cappuccino, ließ Dich erst einmal zur Ruhe kommen. Ich war froh, daß Du weinen konntest. 

Dann erzähltest Du mir von dem Gespräch und das mit dessen negativem Ergebnis nun absolut keine vorbereitenden Planungen und Buchungen für die nächste Saison mehr möglich sind.

                EIN PIETZSCH STEHT - EIN PIETZSCH FÄLLT NICHT!

sagte ich daraufhin zu Dir. Dann sprachen wir  -wieder mit Hilfe der Karten- wie wir nun letztendlich unsere heimlichen Treffs aufgeben und ich in den Betrieb zurückkehren werde. Du hattest 2 Tage Zeit für die Vorbereitungen und dann wollten wir uns mit den entsprechenden Personen im Büro zusammenfinden und unseren Entschluß in die Tat umsetzen.

Ich hatte sehr viel Mühe, Dir das begreiflich zu machen, denn in Dir war eine Welt zusammengebrochen. Immer warst Du für die Menschen da, mit soviel Freude und Begeisterung. Und wenn sie zufrieden waren, warst Du glücklich. Jedoch können das auch nur Menschen wirklich verstehen, die selbst ein Unternehmen führen - genauso kämpfen müssen wie Du es mußtest. Ich bin froh, daß Du das Danach nicht miterleben mußtest. Selbst an meiner Wohnungstür ging das nicht vorbei.

 

                         DU HAST DEN KAMPF VERLÖREN 

                                                 doch 

                    GOTTES STRAFE WIRD GERECHT SEIN!

 

Auch ich weiß davon heute ein Lied zu singen. Manche Dinge wiederholen sich. Nein, ich maße mir nicht an Gott zu spielen, doch werde ich für Gerechtigkeit kämpfen, so , wie ich es Dir in den letzten Stunden unseres Beisammenseins versprochen habe. 

 

               Auf ein Wiedersehen in einer besseren Welt

                                        Deine Tochter

 

                                           Christine                    

 

Nun ist alles gesagt, was ich Dir versprach. Auch alle Unterlagen sind gut verwahrt. Kehre Frieden in unsere Herzen ein. Über den heutigen Blutmond werde ich mich mit Dir verbinden. Danke, daß Du hier warst.

 

Mittwoch, den 20. Oktober 2021