DER NIEDERLAUSITZER

 

Christine 

 

Ein Leben im Schatten der Firma

Vorwort

 

Im November 1950, nachts, kurz vor halb zwei Uhr, erblickte ich das Licht der Welt – des Vollmondes, dem ich heute noch sehr verbunden bin. Ich blieb das einzige Kind dieser Familie, denn sie werden später lesen, warum meine Mutter dies wahrgemacht hat. Und ich blieb ein Leben lang das unerwünschte Balg, wie mich meine Mutter zu nennen pflegte. Da mein Vater sehr viel unterwegs war – ging wenn ich noch schlief und kam heim, wenn ich schon wieder schlief – hatte er keine Ahnung, wie meine Mutter mit mir umging, bis auf einmal, wo er dazu kam. Ich war da noch klein, ihm sehr dankbar und zugetan. Aber auch traurig, daß ich ihn so wenig sah. Ich erlebte, wie er mit anderen Menschen umging, selbst Respekt und Achtung empfing und machte ihn zu meinem Idol. Ich war sehr stolz auf ihn – je größer und verständiger ich wurde. Doch auch alle Höhen und Tiefen meiner Gesundheit, des Betriebes, der Familenstreitigkeiten, des Kommens und Gehens von Freunden, Repressalien mit Ämtern, Kraftverkehr und Jugendamt blieben mir nicht verborgen, sondern alles zusammen brachte mich sogar eines Tages an den Rand des Selbstmordes. Aber ich brachte es nicht fertig, meinen Vater allein gegen all diese unsauberen Widerstände ankämpfen zu lassen. Gemeinsam waren wir stärker.

Einen Tag vor seinem Tod saß er bei mir daheim im Wohnzimmer, bat um einen Cappuccino und weinte … er kam von der Sparkasse … und wir wollten nicht aufgeben. Ich beschloß, meine kleine Praxis für Spirituelle Medizin nicht aufzubauen, sondern erst einmal ihm zu helfen.

Als er sich nach zwei Stunden mit einer sehr herzlichen Umarmung und den Worten: „Du schaffst das schon – Du bist stark genug“ von mir „bis Donnerstag“ verabschiedete und meine Wohnung – ohne sich auch nur einmal umzudrehen – verließ, zeigte mir meine Hellsichtigkeit seinen Tod. Ich ging spontan zum Kleiderschrank und hing schwarze Sachen raus und packte notdürftig eine kleine Tasche. Ich wußte, man würde mich rufen.

Er bat mich, ich möge es wahr machen, und das Pietzsch-Buch -wie ich es nannte- schreiben. In seinem Schreibtisch oben rechts lägen dazu noch einige Aufzeichnungen von ihm dazu, die ich gern verwenden darf.

Leider wurden sie alle von der Dame des Sekretariats nicht an mich ausgehändigt. Sie vernichtete ein Stück geschriebenes Lebenswerk.

Dieses Buch beruht auf Wahrheit und soweit mir möglich, zeige ich auch Dokumente und Schriftstücke und Bilder mit an, die mir seit 1949 erhalten geblieben, bzw. von meinem Vater bei unseren Treffen übergeben worden sind. Außer den wirklichen Namen meiner Mutter, meines Vaters und von mir : Christa – Günther – Christine, sind alle anderen Namen frei erfunden und schützen somit die Identität der wirklichen teilweise noch lebenden Personen. Heute, mit meinem soeben begonnenen 68. Lebensjahr, möchte ich seinem Wunsch nachkommen.

Ich wünsche mir, daß noch viele Menschen, die mit uns auf Reisen gegangen sind, dieses Buch lesen können. Aber daß auch Jene, die viel Unheil, Mißgunst und Neid haben wirken lassen, ihre innere Einkehr finden mögen. Allen diesen möchte ich sagen:Der Herrgott möge Ihnen verzeihen, denn Sie wußten es nicht besser".

 

Lieber Vater,

 

DANKE, daß Du hier warst und vielen Menschen große Freude bereitet hast. Danke, daß ich Deine Tochter sein durfte. Danke, daß ich die Letzte sein durfte, der Du Lebewohl gesagt hast.

 

Deine Tochter Christine

 

Ein besonders herzliches Danke an die Schriftstellerin Carla Gabriel, die meine Worte, Gefühle und Tränen in dieses Buch einfließen ließ.