Ein weiteres Stück Lebensgeschichte.....

Meine Kindkur in Bad K..... im 8. Lebensjahr 1958

Was geschah hier wirklich?

 

Ich weiß gar nicht, wie und wo ich anfangen soll. Ich ringe immer noch nach Fassung … mit der plötzlichen Erinnerung. Als sei es erst gestern gewesen, so zeigt sich mir jedes Detail und Gänsehaut hüllt mich ein.

 

Wieder einmal tauchte aus dem Nichts heraus das Gesicht meiner Mutter vor meinem inneren Auge auf und ich zuckte zusammen. Plötzlich sah ich ihren bösen Blick vor mir, der sagte:“Geh mir aus den Augen – Balg, du mußt weg.“ Und dann seh ich ganz klar vor meinem inneren Auge die Vergangenheit. Sah, wie sie Koffer und Taschen im Auto verstaute und mich auf dem Rücksitz platzierte. Sah, wie sie mich schlug, da ich da nicht sitzen bleiben wollte. Ich wollte raus aus dem Auto. Doch daraus wurde nichts, denn mein Vater kam und wir fuhren los. Meine Mutter hatte es geschafft, für mich einen Kurheim-Platz für 4 Wochen in Bad K. zu bekommen.

 

Kaum hatte ich meine Omi verloren – sollte die Schule beginnen – ich mußte zur Bronchal-Kur. Ich hatte nichts. Mal im Winter ´ne Grippe – welches Kind hört schon auf die mahnenden Worte „Schal und Mütze!“ ? Meine Heiler-Oma wußte immer ein Rezept, wie ich schnell wieder auf die Füße kam.

 

Im Kurheim gab man mich ab und verschwand!

Ich weinte die ganze Nacht. Mehrfach kam eine Schwester rein und fauchte mich an, ich soll Ruhe geben. Das Zimmer bestand aus einem Bett – 1 Schrank – 1 Stuhl – 1 viereckigen Tisch – 1 großes Fenster, wo man nur den Himmel sah und ohne Fensterknauf zum öffnen.

Es gab auch Gemeinschaftszimmer und ich wollte gern dort hin. Einmal durfte ich -dann mußte ich wieder zurück. Man sagte mir, wenn ich ALLE Anweisungen artig befolge, kann ich wieder dort hin. DAS  GESCHAH  N I E !!!

 

Der Speiseraum war in einem extra Anbau, wo ich mit allen am langen Tisch auf einer langen Bank sitzen mußte. Die Essenszeit war vorgeschrieben und wer nicht fertig war, mußte aufhören und ungesättigt zur Mittagsruhe gehen. Wollte man noch schnell weiteresssen, wurde man an den Haaren von der Bank gezogen. Riß man dabei etwas um, gab es Strafe: Schläge oder Ecke stehen oder im Zimmer bleiben. Wenn es ganz schlimm kam, wurde man mit dicken Stoffbändern, auf dem Rücken liegend, am Bett festgebunden. Wer schrie oder laut weinte, bekam den Mund zugebunden. Schließlich brauchten die Anderen ja ihre Ruhe.

 

Da meine Mutter ja meine Haare immer auf faßt „Igel“ kurz schneiden ließ, konnte man mir nicht an den Haaren ziehen. Also waren Oberarme und Nacken immer voller blauer Flecken.

Ich weiß noch -ich mußte einmal nachts aufs Klo und konnte es nicht bis früh aushalten – was eigentlich Pflicht war. Die Nachtschwester erwischte mich, als ich -gottseidank schon fertig war- griff mir derb ins Genick, daß ich hinfiel und schleifte mich an einem Arm hinter sich her bis ins Zimmer und schmiß mich aufs Bett. Ich hielt das nicht mehr aus – wurde immer aufmüpfiger – verlangte nach Mami und Papi..... Das Gegenteil kam! Ich bekam früh und mittag eine Pille und abend wurde ich gespritzt. War ich am Tag mal „zu mobil“, kam gleich eine Spritze. So wurde ich ruhig und apatisch. Ich weiß noch wie heute: da war ein Junge dabei, kleinwüchsiger und dicker als ich und mit dem machten sie es genau so wie mit mir! Mit unseren Blicken machten wir uns gegenseitig Mut, denn reden durfte man nur nach Aufforderung.

 

Am Vormittag mußten wir unter Anleitung Putzen lernen und nachmittags wechselten sich spazierengehen -auf dem Hof im großen Kreis- mit Inhalieren -im vernebelten Raum um einen Springbrunnen laufend – und Gesprächen mit einer TANTE ab (die würde ich heute Psychologin nennen), die uns lehrte, wie man folgsam, artig, schweigsam und unterwürfig ist. Ich habe diese Tante niemals lachen sehen.

 

Ich hatte und kannte keinen Kalender, aber ich zählte jeden Tag der verging. Die etwas Älteren sagten es uns immer leise im Vorbeigehen … noch 7 Tage … noch 3 Tage... morgen.....

 

Viele Eltern kamen ihre Kinder holen – viele brachten neue Kinder. Wir beide mit dem kleinen Dicken saßen da – wirklich wie bestellt und nicht abgeholt. Zu ihm muß ich noch sagen: er wurde auf regelrechte Hungerkur gesetzt. Kein Fleisch, keine Souce, max ein paar Kartoffeln, Quark, Gemüse teilweise roh und Obst wie Apfel, Birne usw.

 

Die Tante nahm uns mit in ihr Zimmer und sagte, man hat mit unseren Eltern gesprochen und um eine Woche verlängert, weil wir noch so ungezogen seien.

In diesem Augenblick kamen 2 Schwestern rein, wir wurden getrennt an die Hand genommen und in unsere Zimmer gebracht.

Zum Kaffee wurden dann die Neuen „herzlich begrüßt“, in die Hausordnung eingewiesen und wir zwei seien die Bösen und müssen zur Strafe noch eine Woche hierbleiben. Entsetzen durchfuhr uns, als gesagt wurde, daß es noch eine Woche Verlängerung gibt, wenns jetzt nicht klappt.

 

Da kannten sie dann wohl meine Mutter schlecht! Die Kasse wollte die 2. Verlängerung nicht tragen und meine Mutter für mich mit Sicherheit nicht IHR Geld ausgeben! Diese eine Woche war der Horror! Ans Bett gefesselt – nichts zu essen und zu trinken (ich war eh schon so spindelldürr) – nur das notwendigste. Und wenn ich schrie, bekam ich Schläge und mußte am Tag festgebunden im Bett bleiben. Egal wie nötig ich da austreten mußte, erst wenn sich eine Schwester erbarmte, mal ins Zimmer zu gucken und ich schnell genug reagierte, wurde ich losgemacht – zur Toilette gebracht und wieder festgebunden im Bett.

 

Dann endlich war alles vorbei – Gruppenfoto – lächeln versuchen – und ab nach Hause. Dort angekommen, begutachtete mich mein Vater nur kurz und verließ dann das Wohnzimmer.

 

Mutter fragte mich jetzt, ob es mir – und wie es mir denn gefallen habe. Ich wollte die Wahrheit sagen und sie fiel mir ins Wort. Ich hab ja noch nicht gelernt, daß ich nicht lügen soll! Ich wollte als Beweis dazu, daß ich nicht lüge, meine blauen Oberarme und den Nacken zeigen und erklären … da schlug sie mir heftig ins Gesicht, nannte mich Lügnerin. Das hätte ich mir eingehandelt, weil ich mich mit dem kleinen Dicken wohl immer geprügelt hätte und deshalb mußten wir zwei eine Woche länger bleiben. Sie haute mir zwei kräftige Schlage ins Gesicht und jagte mich ins Bett. Ich mußte meinen Nachttopf mit hochnehmen und durfte bis früh nicht mehr runter kommen. Vater kam sehr spät nach Hause und bekam von all dem nichts mit.

 

Und so ging dieser Horror von Stund an noch stärker als zuvor weiter. Ich war einfach nur fassungslos. Je mehr sie mich lügend strafte und schlug, umso mehr schwor ich mir, IMMER die Wahrheit zu sagen, egal obs gut war oder nicht.

6 Jahre später …

 

Meine Mutter meinte, ich sei nun in der Pupertät. Ich hatte keine Ahnung, was das ist und sie erklärte es mir auch nicht.

Da stand Vater wieder mit dem Auto wartend vor der Hoftür. Mutter befahl mir wieder hinten Platz zu nehmen. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, was jetzt passieren würde.

 

Wir fuhren eine ganze Weile, dann stieg meine Mutter mit mir aus. Mein Vater sagte ihr kurz und knapp, sie solle das mal ganz alleine machen, er käme nicht mit rein.

 

So zog sie mich am Arm und wir betraten ein großes Haus Auf dem Parkplatz standen ja viele Autos und drin im Haus waren auch viele Menschen. Ich sah eine Krankenschwester auf uns zukommen und ich bekam höllische Angst und zog meiner Mutter an den Sachen, raus zu gehen. Ich bekam eine Ohrfeige – ich schnappte nach Luft und war schlagartig ruhig. Heute für mich erstaunlich, denn ich war ja nur noch einen halben Kopf kleiner wie sie.

 

Wir mußten im Wartezimmer platznehmen und als der Dr. D. uns aufrief, wollte meine Mutter mit ihm allein reden. So mußte ich noch einen Moment auf dem Stuhl sitzen bleiben und warten, bis sie wieder raus kam. Dann forderte er mich mit ausgetrecktem Arm auf, zu ihm zu kommen, legte seine Hand auf meine Schulter, was ich als abstoßend empfand. Ich wußte immer noch nicht, wo ich hier eigentlich war.

 

Er bat mich meinen Unterkörper frei zu machen und mich auf diesen Stuhl zu legen, den er mit der rechten Hand andeutete. Von meiner Mutter kannte ich die Beschreibung und Bezeichnung „Pflaumbaum!“. Aber was sollte ich dort!

 

Er wurde etwas unwirsch und meinte, ich solle mich beeilen, es warten noch mehr Patienten. Dann lag ich da und war wieder einmal ausgeliefert.

Er tastete meinen Bauch ab, fragte sinnloses Zeug nach irgend welchen Schmerzen, ob ich schon mit einem Jungen im Bett war und nach meiner Regel. Ich verneinte ALLES.

Dann nahm er einen Stuhl, setzte sich zwischen meine Beine, schaute durch ein Mikroskop, schob das Ding beiseite und steckte mir seinen Finger rein und meinte, ich solle ganz ruhig bleiben, gleich ist alles gut. Ich kann mich nicht mal erinnern, ob der Handschuhe aufhatte. Ich war froh, als er fertig war und wollte aufstehen. Er hieß mich liegenbleiben und holte zwei riesengroße Spritzen. Mir wurde Himmel-Angst und Bange. Doch bevor ich mich besann, hatte er die erste bereits in der linken Seite im Eierstock und drehte sie da drin mehrfach rum und spritzte sie leer. Noch bevor ich mich fangen konnte – mir liefen die Tränen ohne Ende – hatte er diese schon in die rechte Seite reingerammt und wiederholte das Ganze. Ich war faßt am Wegtreten. Er gab mir ein Glas Wasser und meinte, ich solle mich nicht so haben, das ist nunmal das Los der Frauen. Ich hätte ja ein Junge werden können.

 

DAS WARS – EIN JUNGE !!!!!! JETZT VERSTAND ICH ALLES !!!

 

Auf dem Heimweg sagte ich kein Wort, weinte nur leise vor mich hin. Meine Mutter schalt mich eine Memme und ich solle die Gusche halten.

 

Daheim saßen sie beide in der Stube und tranken Kaffee. Ich war im Bad und wollte mich etwas waschen – ich hatte das Gefühl ich war schmutzig. Doch ich hatte das Gefühl, daß sie über mich sprach und schlich zur Stubentür. Gerade erklärte sie meinem Vater, was der Dr. gemacht hat und das das vielleicht noch in Zusammenhang mit der Kur damals stehen könnte.

 

WAS HAT MAN BEI DER KUR MIT MIR GEMACHT????

WAS IST WÄHREND DER SPRITZEN PASSIERT???

 

Mein ganzes Leben lang war ich immer nur auf der Suche nach Liebe – ich war so voll davon – aber ich habe die wahre Liebe bis zum heutigen Tage N I E gefunden im Reich der Menschen.