Die Zeit verging und ich wurde 5 Jahre alt. Bis dahin kann ich sagen, daß meine kleinen Kinderwünsche faßt alle zur Erfüllung gebracht wurden. Vor allem Weihnachten. Selbst hier hatte meine Mutter natürlich wieder ein Problem mit mir. Denken wir mal zurück: ich sollte ja unbedingt ein Junge werden. So waren es nette Versuche von ihr, mich stets in der Farbe der Jungen zu kleiden – in blau. So hatte ich blaue Kleider, Röckchen, Pullover, Jacken, Mäntel und bis heute war mir diese Farbe wahrlich suspekt. Und meine Mutter war schon als Kind vernarrt in Puppen, Puppenstuben, Puppenwagen und dergleichen mehr. Ich?

   

Ohje, mich interessierten Autos, Eisenbahnen, Hammer und Säge und Nägel. Das dauerte auch ziemlich lange, bis meine Mutter das so endlich kapierte.

Vater hatte wenig Zeit für mich und war kaum zuhause, auch wenn er in der Werkstatt draußen war – er war nicht da. Ich hatte nichts von ihm.

Jedoch, aufgrund meiner Wildheit, ließ er im Garten eine Schaukel bauen. Ein richtiges großes Rohrgestell wurde geschweißt und mit einer Seite in der Wand über dem Garagenfenster eingemauert. Hier konnte er mich auch im Blick haben, so ich denn schaukelte. Sicher ist sicher, dachte er wohl. Die Schaukel war natürlich ein Traum. Auf ihr fielen mir so viele Geschichten ein. Nein, keine die ich vorgelesen bekam, sondern die ich selbst erfand. Manche Worte reimten sich da schon.

Vor meiner Schaukel stand ein kleiner Schattenmorellenbaum und rechts hinter der Schaukel noch die richtige alte Bauernpflaume. Meine Mutter ihr ganzer Stolz. Viele Jahre später hab ich den dann mit dem LKW beim rangieren auf 45° Neigung zur Erde gebracht. Der stand da aber auch sowas von im Weg! Manchmal saß ich auch ganz still auf der Schaukel, weil auf dem Friedhof eine Beerdigung war. Dann lauschte ich den Worten des Pfarrers, schlich mich an den Zaun, um ihn besser zu verstehen. Hinter dem Bus, auf dem ersten Foto, ist der Friedhof auch gut zu erkennen.

Hinter unserem Grundstück war ein riesengroßes Feld, auf dem im Sommer immer das Getreide ganz hoch stand. Ein richtiger dunkler Bretterzaun – wo ein Brett so ca. 15-18 cm breit und gute 1,80m hoch war – trennte unser Grundstück vom Feld.

Es dauerte nicht lange und ich hatte es geschafft, zwei nebeneinander festgenagelte Bretter von der unteren Querleiste mit der Schuhspitze los zu klopfen. Dann konnte ich sie auseinander machen und gebückt durchkriechen zum Feld und hinter mir wieder schließen. Toll, ich war richtig stolz auf mich. So kroch ich wieder zurück und ging in meinen Sandkasten zurück, den Vater ebenfalls für mich herrichtete. Er war unter einem zeitigen Süßkirschenbaum gelegen und an dessen unteren Ast war eine einfache Schaukel angemacht. Auf der konnte ich manchmal sehr lange sitzen und in Nachbars Garten schauen. Der Nachbarsjunge war etwas jünger wie ich und seine Mutti meine Patentante. Früher hatten wir doch noch diese Aschkuten im Garten oder auf dem Hof, wo die Asche reingekippt wurde aus den Öfen im Haus. Diese Kuten waren sehr groß und mit einer Eisenplatte abgedeckt. In dieser war in Kreisform eine Art Deckel über einer runden Öffnung angebracht, wo man die Aschkästen auskippen konnte. Nun verstand ich eins nicht. Dieser Junge stand da mit einem großen Knüppel und schlug da endlos immer und immer wieder auf diesen Eisendeckel ein. Manchmal kam mein Vater aus der Werkstatt zum Zaun und hieß ihn aufhören. Ja, es nervte wirklich, dieser gleichmäßige monotone Schlag.

Er konnte ja nicht mal sagen, warum er das machte. Und mit mir spielen wollte er auch nicht. Es war alles so langweilig.

Nur eins war schön, wir hatten wieder einen Dackel in der Wohnung.

War die Waldine ein schwarz-brauner Kurzhaardackel, so war jetzt die Biene ein wunderschöner rotbrauner Langhaardackel. Naja, meine Mutter hatte es eben mit Dackeln. Also gab es auf dem Hof draußen eine AMSEL auf vier Pfoten und in der Wohnung eine BIENE auf vier Pfoten. Also kein Wunder, daß bei mir auch nicht alles normal sein sollte, oder?