Christine

 

Ein unerwünschtes Kind

Hell scheint der Mond durch das Schlafstubenfenster – ein wunderschöner großer Vollmond überzieht die Erde mit seinem Licht.

Doch von all dem bekommt kaum jemand im Zimmer etwas mit.

Seit nunmehr 12 Stunden schon liegt Christa in den Wehen und hat kaum noch Kraft. Günther, ihr Ehemann sitzt schon die ganze Zeit neben ihr am Bett und hält ihre Hand. Eigendlich hätte er soviel Arbeit, aber er will doch seinen Stammhalter begrüßen. Und so harrt er am Bett aus.

Die Hebamme läßt sich Zeit, denn der Muttermund ist noch längst nicht weit genug geöffnet. Doch dann werden die Wehen stärker und die Abstände kürzer. „Meingott, ist das denn nicht endlich bald vorbei? Ich kann nicht mehr!“ Christa hält die Tränen nicht mehr zurück. Auch Günther drängt die Hebamme, doch etwas zu tun. Aber so ist das nun mal. Man schrieb das Jahr 1950 und da gab es keine Wehentröpfe oder andere Hilfsmittel. Frau mußte da durch.

Plötzlich sah Christa den wunderschönen Vollmond mitten in der Scheibe des Schlafstubenfensters. „Guckt doch mal. Ist der aber schön. Und so groß und so hell.“ Und genau in diesem Moment kam die erste Preßwehe. Ihr Aufschrei ging Günther durch Mark und Bein. Damit hatte er nicht gerechnet. War es doch auch sein erstes Mal, daß er sowas erlebte.

Vom heißen Wasser über Handtücher und den Kindersachen war alles bereit und nun wollte auch die Hebamme nicht mehr warten. Der Muttermund war geöffnet und Preßwehe auf Preßwehe kam. Und mitten in den Vollmond hinein ertönte der erste Schrei des Neugeborenen. Ein Mädchen.

Während die Hebamme der Gebärenden nach dem Abnabeln noch eine kleine Verschnaufpause ließ, versorgte sie das kleine Mädchen und legte es in den Stubenwagen. Dann ging sie zu Christa zurück: „Na Mädel, nun hast es doch gleich geschafft“, und holte auch noch die Nachgeburt.

Als sie Christa gewaschen und etwas frisch gemacht hatte, wollte sie ihr

das Kind bringen. Sie drehte sich zum Stubenwagen und stockte, denn der Kindesvater stand, die Hände auf dem Rücken verschrenkt und auf den Zehen wippend vor der Kleinen. Sie traute ihren Ohren nicht, als sie den Mann sagen hörte:“Auch das noch!“ Und betroffen schaute sie ihm nach, als er das Schlafgemach verließ, ohne sich auch nur noch ein einziges Mal nach seiner Frau umzusehen. Auch Christa schaute ihm hinterher und Tränen standen in ihren Augen. Unbegreiflich, was die Hebamme nun zu hören bekam: „Alles umsonst“, schluchzte Christa. „Das ist mein Untergang. Günther hat sich doch so auf einen Jungen versteift. Oder was meinen sie, warum ich so viele heimliche Abtreibungen gemacht habe? Ich wollte gar kein Kind. Ich hatte Angst. Genau vor dem Angst, was jetzt eingetreten ist Und ich will nicht noch ein Kind. Auch dieses wäre nicht gewesen, wenn ich es eher gemerkt hätte, glauben sie mir.“ Die Hebamme war fassungslos und versuchte die schluchzende Christa in den Arm zu nehmen. Sie mußte unbedingt vermeiden, daß die Frau Kindbettfiber bekam. Sie sollte jetzt erst einmal schlafen und sich von den letzten 26 Stunden erholen können. Christa schlief dann auch sehr schnell und voller Erschöpfung ein.

Die Hebamme füllte die Unterlagen über die Geburt aus, trug die mitternächtliche Geburtsstunde des Mädchens Elisabeth Christine ein und gab alles mit ihrer Unterschrift versehen dem Kindesvater. Der mußte sich auf den Weg zum Amt begeben und die Geburt seiner Tochter anzeigen.

Es verstand wohl kaum jemand sein ernstes und abweisendes Gesicht. Eigendlich freut man sich doch, wenn man Vater wird. In seinem Kopf aber fuhren die Gedanken Achterbahn. Ob er die Glückwünsche tatsächlich so wahr nahm? Eher wohl nicht und nur gut, daß niemand in ihn hinein schauen konnte!

Günther

 

Vergangenheit und Gegenwart

Günther hatte sich zurück gezogen. Er grübelte. Seine Schwiegermutter und deren Mutter kümmerten sich ja genug um Christa und Christine. Was also sollte er da auch noch? Da war dann eher die Dackeldame Waldine, die sich seiner annahm und es sichtlich genoß, so von Herrchen verwöhnt zu werden. Hatte er doch sonst nie Zeit für sie. Da hatte die Schäferhündin draußen schon mehr Kontakt mit ihm. Aber das Herrchen so mit seinen Gedanken unterwegs war, kam selbst Waldine nicht geheuer vor. Und so lag sie ganz still auf seinem Schoß, damit er sie ja nicht runter schubste.

 

Günther dachte aber gar nicht daran. Seine Gedanken gingen ganz weit in die Kindheit – zu seiner Mutter – seiner Familie zurück. Von seinem Vater wußte er gar nichts. Und was die Tanten und Onkels so erzählten, das konnte er sich auch immer nicht so richtig zusammen reimen. Jedenfalls war immer davon die Rede, daß seine Mutter durch gut situierte Herren den Unterhalt verdiente, um sich und ihre zwei Kinder ernähren zu können. Und dann kamen wieder die grausamen Bilder in ihm hoch. Erst viel später hat er verstanden, was er da mit ansehen mußte. Denn seine Mutter war wieder schwanger und wollte abtreiben. Sie hätte für kein drittes Kind sorgen können – allein, ohne Mann. Wer wollte schon Eine, die ein Kind hatte.

Doch war da niemand, der seiner Mutter professionell zur Seite stand, sie versuchte es allein. Und als das Blut nicht zum Stillstand kam, schaffte sie der Stiefvater ins Krankenhaus und Günther mußte mit.

Dort saß er am Bett seiner Mutter und kein Arzt bewegte sich auch nur im Geringsten, der Frau zu helfen. Abtreibung war verboten und so mußte er zuschauen, wie seine Mutter verblutete und starb.

Seine Halbschwester war ja 5 Jahre älter als er und so kam er mit ihr gemeinsam zu ihrem leiblichen Vater. Zwar war er das Stiefkind, aber er bekam zu essen und zu trinken und ein Bett. Er durfte die Schule besuchen und mußte nebenbei Eis verkaufen – für 10 Reichspfennig pro Tag. Das war damals sehr viel Geld. Auch hier war die Oma die gute Seele im Haus und kümmerte sich um den kleinen Günther. Sein durchs Eis verkaufen erlangtes Geld mußte er ihr allerdings abgeben, damit sie ihn notdürftig kleiden konnte.

Günther war verschwiegen, versuchte in der Schule zum guten Durchschnitt zu gehören und begann später bei einer sehr großen Firma die Lehre als Werkzeugmacher und Schlosser. Er wollte raus zu Hause, wollte sein eigenes Geld verdienen, auf eigenen Füßen stehen.

Doch dann kam der Krieg und er wurde eingezogen. Durch seine Verschwiegenheit und Hilfsbereitschaft wurde er schnell der „Stiefelputzer“ und „Laufjunge“ vom Regimentskommandeur. Das hatte den Vorteil, daß er später nicht mehr direkt mit an die Front mußte. Er war mit seinen Kriegskameraden in Dänemark stationiert und wurde sehr krank, bekam Diphterie. Als es Richtung Heimat ging, baute ihn das seelisch wieder etwas auf, gab ihm Kraft zu überleben. Der Granatsplitter aber unter der Schädeldecke machte ihm mächtig zu schaffen.

Kurz vor der Heimat geriet er in ein Gefangenenlager. Meingott, es war doch gar nicht mehr weit bis nach Hause! Sein Kopf schmerzte, der Splitter schien zu wandern. Als sich Günther nicht mehr regte, wickelte man ihn in eine Decke und warf ihn mit in die Grube, die sich draußen schon mit Toten langsam füllte. Man hatte weder Zeit noch Möglichkeiten, die Toten zu beerdigen. Als man zwei Tage später – so die Schilderung seiner Kameraden – erneut einen Toten in die Grube warf, sah einer, daß sich Günther bewegte. Er rief die Anderen hastig zurück und sie nahmen Günther wieder mit rein, wo er sich langsam wieder erholte. Und endlich ging es Richtung Heimat.

Er wollte all das so schnell wie möglich vergessen. Wollte arbeiten, Geld verdienen, etwas aufbauen, etwas Wertvolles schaffen, den Menschen Freude bereiten. Es sollte niemand mehr weinen müssen.

 

Und so begann er erst einmal bei der Deutschen Reichsbahn als Mädchen für alles – hauptsächlich als Kontrolleur und Schaffner.

 

Christa

 

Reparaturwerkstatt für

Fahrräder - Mopeds - Motorräder

 

 

Willi und Rosa waren glücklich über ihr Töchterchen Christa und schnell wurde die Kleine Papas Liebling. Wohlbehütet wuchs sie in einem Elternhaus auf, um das sie sicherlich Viele benieden und das ihrer eigenen Tochter später niemals vergönnt sein sollte.

Ihr Vater war Schlosser in einer Fabrik und wurde aus wirtschaftlichen Gründen nicht in den Krieg gezogen. Sein kleines Gewerbe erfüllte alle erforderlichen Zwecke, um an der Heimatfront gebraucht zu werden. Ihre Mutter bediente die dazugehörige Tankstelle und fuhr einen sechssitzer Opel als Taxi.

 

Christa war nicht wirklich gern zur Schule gegangen und ihre Zeugnisse waren auch nicht so bravourös. Der Krieg tat das Übrige und so blieb nichts anderes übrig, als daß Christa in Stellung ging. Auch das war für sie eine Tortour, doch lange ließen sich ihre Eltern nicht erweichen, bis Christa krank wurde – seelisch krank. Da hielt es ihre Mutter nicht länger und sie kündigte die Stellung ihrer Tochter auf.

Christa sollte nun die Handelsschule besuchen und den Beruf einer Industriekauffrau erlernen. Ständig mußte sie nun mit der Bahn in die Stadt fahren und nach der Schule wieder heim. „Schippchen“ nannte man die Eisenbahn. Teilweise fuhr die so langsam, daß man aussteigen, nebenher laufen oder mit dem Schippchen im Sand buddeln konnte. Aber bis in die Stadt waren es nun mal gut 20 km.

Christa gefiel die Bahnfahrt. Konnte sie doch aus dem Fenster schauen, einfach nichts tun und die vorbei kommenden Wiesen und Felder betrachten. Aber da war ja noch etwas: da war noch ein junger Mann. Und wenn er so vor ihr stand und nach ihrer Fahrkarte fragte …...

Und eines Tages stieg er mit ihr aus, brachte sie nach Hause. Er wußte aus ihren rührigen Erzählungen auf der Heimfahrt, woher sie kam und wer sie war. Christa dachte sich nichts weiter dabei. Im Gegenteil. Sie hoffte, daß daheim wieder etwas Frieden einkehren würde. Hatte ihr Vater sie doch in der Werkstatt mit dem Angstellten beim Knutschen erwischt. Sie möchte diesen Mann. Ja, sie war richtig verliebt in ihn. Wer war da schon Günther? War doch Gerhard viel wichtiger. Aber hier half jetzt nur Taktik. Das hatten die Eltern wohl ihrem wohlbehüteten Töchterchen nicht zugetraut.

 

Doch es sollte ganz anders kommen. Eine tiefe Freundschaft pflegten ihre Eltern mit einem Fleischerehepaar aus dem gleichen Ort. Und so saßen sie wieder einmal bei einem Glas Rotwein zusammen, als der Vater noch das leere Glas auf den Tisch stellte, sich vom Stuhl hoch aufbäumte und zu Boden fiel. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht, von wo er nie mehr nach Hause kam. Sein Leben endete mit gerade mal 48 Jahren.

 

Nun stand sie plötzlich mit ihrer Mutter ganz allein da. Gerhard war auch nicht mehr da, dem hatte ihr Vater noch gekündigt, weil er die Finger nicht von Christa lassen konnte. Was also tun? Lange beratschlagten die beiden Frauen. Christa war ja gerade mal 19 Jahre alt. Ihre Gedanken gingen mit Entsetzen in ihr Stellungsjahr zurück. Nein! Das wollte sie nie wieder machen. Und sie begann ihrer Mutter zu erklären, daß sie das auch beide allein weiter schaffen können. Denn Christa wußte, daß sie aus dem Haus gemußt hätten, weil die Unterhaltung dessen nicht möglich gewesen wäre.

Ihre Mutter jedoch faßte einen Entschluß und lud Günther zum Kaffee ein. Er kannte ja das kleine Unternehmen schon gut genug, hatte er doch ab und an mitgeholfen. So verwunderte es ihn gar nicht, als Christas Mutter ihn fragte, ob er denn „einsteigen“ wolle.

Ja“, war Günthers knappe selbstsichere Antwort. Er sah sich seinem heimlichen Ziel auf einmal so nah. Doch zuckte er unwillkürlich zusammen, als die Mutter dann auch meinte: „Dann ist das für mich in Ordnung und wenn die Trauerzeit im Sommer um ist, wird geheiratet. Basta.“ Das hatte Günther wohl so nicht bedacht. Aber egal, er würde es in Kauf nehmen.

Auch Christa war entsetzt. „Nein Mutti, da mach ich nicht mit. Du kannst doch nicht einfach ,ohne mich zu fragen, bestimmen wen ich heiraten soll.“ Aber ihre Mutter würdigte sie keines Wortes mehr. Schließlich war es ja Christa, die Haus und Geschäft und Hof erhalten haben wollte. Dann also bitte, mußte auch sie ihren Teil dazu betragen.

 

Der Monat August rückte näher, es war das herrlichste Sommerwetter und eine weiße offene Kutsche, gezogen von 4 Rappen bewegte sich mit den Brautleuten auf dem einen Kilometer langen Weg bis zur Kirche ins Dorf.

 

 

Was mag diese beiden Menschenkinder gedanklich auf diesem Weg begleitet haben. Sie, die zwar im Haus, aber doch noch allein bleiben wollte und er, der zwar das Geschäft aber nicht unbedingt eine Ehe wollte. Und so nahmen sie wohl ihrerseits den Behalt des Hauses und seinerseits das notwendige Übel der Ehe mit in diesen Satz: bis das der Tod und scheidet.

 

Rosa richtete nun das Haus für das junge Glück im oberen Bereich her und sie selbst blieb unten in der Stube, wo sie auch ihre Bettkastencouch hatte, auf der sie schlief.

Und Rosa war es auch, die sich am meisten über den Nachwuchs freute. Hatte sie doch keine Ahnung, was ihre Tochter da schon zigmal an Abtreibungen hatte geschehen lassen. Irgendwie hatte sie auch gespürt, daß sie wird viel für das Kind dasein müssen. Doch das ging ja auch geschäftlich wiederum nicht wirklich. Ihre Mutter, Christas Oma, jedoch sagte von Anfang an, sie werde sich um das Kind sorgen. Damit war auch das geklärt und so brachte Christa auch die neun Monate wohl behütet über die Runden.

Ihr einziger wirklicher Freund, so empfand sie, war ihr Dackel. Der saß ja dann auch als Erster im Stubenwagen. Als wenn er ihn hätte vorher noch inspizieren und freigeben müssen. Die Lacher waren also auf seiner Seite. Wo hingegen er später nicht mehr von Christines Seite wich.

 

Günther hatte inzwischen verbissen an der Veränderung des Geschäftes gearbeitet. Irgendwie hatte er es geschafft, daß seine Schwiegermutter nachgab und die Finanzierung zum Aufbau eines LKW mit der Sparkasse in die Wege leitete. Schließlich war das eine Bergbaugegend und die Menschen hatten Hunger. Man händelte nach dem Prinzip: gibst du mir – geb ich dir und ich geb dir dies – gib du mir das. Und so begann Günther für Handel und Versorgung – Obst und Gemüse und Speisekartoffeln zu fahren.

Damit konnte er seine Familie erst einmal ernähren. Die Stunden, die er im LKW zubrachte, zählte er nicht. Nur seine Frau tat ihm manchmal leid, denn der LKW fuhr mit Generator und so mußte Christa die schweren Kohlesäcke aufladen, was natürlich ihren Rücken schon in jungen Jahren kaputt machte. Doch das Geschäft flourierte und Rosa freute sich über Günthers Fleiß. Sie merkte sehr schnell, wie sich die Kasse füllte, das Konto füllte und die Sparkasse ebenfalls zufrieden war.

 

Welch eine Ehe

 

Christa war 20 Jahre alt, als sie merkte, daß sie diese Schwangerschaft nicht mehr unterbrechen konnte. Immer wieder war es ihr gelungen, doch dieses Mal hatte sie es zu spät gemerkt. Nun konnte sie nur noch hoffen, daß es ein Junge werden würde. Denn sie war unglücklich. Und sie war böse auf ihre Mutter, daß sie sie mit diesem Mann verheiratet hat, den sie gar nicht heiraten wollte. Als wenn sie es geahnt hätte: er machte was er wollte, sie war Nebensache. Er gab sich mit anderen Frauen ab, nur nicht mit ihr. Und war ständig unterwegs. Nur seine Kriegsverletzung war es, die ihm jedes Jahr eine Kur einbrachte. Immer wieder fuhr er – einmal im Jahr – nach Bad Liebenstein und es tat ihm gut. Gut aber auf zweierlei Weise: einmal taten ihm die Behandlungen sehr gut, vor allem seinem Herzen. Und zweitens kam er natürlich nie ohne einen Kurschatten aus. Irgendwie war immer ein Frauenzimmer im Spiel.

Mit all diesen Dingen konnte Christa aber nicht umgehen. Die Ehe ihrer Eltern war immer ein Vorbild für sie. Da gab es keinen Zank und Streit, da ging alles Hand in Hand. Da fühlte sie sich geborgen. Und jetzt plötzlich wurde sie ins Leben geworfen, daß sie weder wollte noch verstand. Sie begann ihre Mutter zu hassen. Immer öfter dachte sie mit Wehmut an ihre Jugendliebe, aber sie traute sich auch nicht, ihn zu suchen. Das ergab sich ein paar Jahre später wie von selbst.

Jetzt mußte sie erst einmal über diese mißratene Schwangerschaft kommen. Sie wußte von Anfang an, daß sie dieses Kind nicht will, daß sie es hassen wird, weil es von IHM ist, den sie nicht mag, der „andere Weiber besteigt - pfui Teufel“! Und so wurde es ihr Standardsatz im Bett: „Hau ab, du ekelst mich an!“ In ihrer Unbedaftheit hat sie wohl nie begriffen, daß sie ihren Mann damit erst recht in die Arme der anderen Frauen treibt.

Und all dieses Denken und Tun hat sich natürlich auch auf das Ungeborene in ihrem Bauch gelegt. Vielleicht wollte es ja deshalb nicht raus und hat die Geburt über so viele Stunden gezogen? Wer weiß?

Günther sprach von nichts anderem mehr, als von einem Jungen, einem Stammhalter, einem Nachfolger, einem Erben und freute sich unendlich.

Rosa konnte ihn in seiner Euphorie nicht dämpfen und der Streit zwischen beiden, ihm doch nun endlich den Betrieb zu überschreiben – denn noch führte sie das Regiment- war mühsam. Das gehörte aber nun wirklich nicht mehr in Günthers Plan. ER wollte der Herr im Hause sein und nicht seine Schwiegermutter.

 

Doch dann kam die riesengroße Enttäuschung für ihn: eine Tochter. Nein, nein und nochmals nein, die wollte er nicht. Da mußte unbedingt noch ein Junge her – egal wie.

 

Und so war Christine schon im Bauch der Mutter von unerwünschten Flüchen belegt und den i-Punkt setzte ihr Vater mit dem kurzen prägnanten Satz: „Auch das noch!“ Was erwartet eigendlich ein Menschenkind unter solchen Worten vom Leben?

 

Hier beginnt nun MEINE Erzählung über MEIN LEBEN und was ich dazu erfahren konnte.